29.08.2018

Arbeitsunfall wegen Stress auf der Dienstreise


Das BayLSG hatte über einen Fall zu befinden, in dem es um die Frage ging, ob erheblicher Stress im Zusammenhang mit einer Dienstreise dazu führen kann, dass ein erlittener Herzinfarkt als Arbeitsunfall anzusehen ist (Urteil vom 06.11.2017, L 3 U 52/15).

Die Ehefrau des aufgrund eines auf einer Dienstreise erlittenen Herzinfarkts verstorbenen Arbeitnehmers machte Hinterbliebenen-leistungen aus der GUV geltend. Der Ehemann war als Bauleiter tätig und hatte auf einer Dienstreise, während er sich in seinem Hotelzimmer befand, einen Herzinfarkt erlitten, an dessen Folgen er verstorben war. Er war für einen Umbau zuständig gewesen, was bei ihm zu erheblichen Stress geführt hatte.

Das LSG kam zu dem Ergebnis, dass ein versicherter Arbeitsunfall i.S.d. GUV nicht vorliege. Gerade bei längeren Dienstreisen ließen sich im Ablauf der einzelnen Tage in der Regel Verrichtungen unterscheiden, die mit der Tätigkeit für den Arbeitgeber wesentlich im Zusammenhang stehen, und solchen, bei denen dieser Zusam-menhang in den Hintergrund trete. Zwar könne sich der Versicherungsschutz während einer solchen Dienstreise auch auf solche Tätigkeiten erstrecken, die sonst dem Privatbereich zuzuordnen sind. Jedoch sei es abzulehnen, in einer stressrei-hen Tätigkeit des Versicherten ein Unfallereignis i.S.d. GUV zu sehen. Stress als solcher stelle sich nicht als Krankheit dar, sondern könne nur eine Vielzahl von völlig unterschiedlichen Symptomen und Beschwerden auslösen und sich in den vielfältigsten Formen manifestieren. Stress trete daher in den unterschiedlichsten Betä-tigungsfeldern in und außerhalb des Arbeitslebens auf. Länger anhaltende Einwirkungen, welche sich über mehrere Arbeitsschichten erstrecken, erfüllten aber den gesetzlichen Unfallbegriff i.S.d. § 8 SGB VII nicht. Zudem habe die klagende Ehefrau nicht den erforderlichen Vollbeweis dafür erbracht, dass eine berufsbedingte besondere Stresssituation wesentliche Bedingung im Sinne einer Ursächlichkeit für den Tod des Versicherten gewesen sei. Hinzukam, dass im konkreten Fall der Versicherte eine massive Vorschädigung des Herzens aufgewiesen hatte und keine besonderen Umstände erkennbar waren, welche eine besondere Stresssituation für den Versicherten begründet hätten.